Zwei-Minuten-Andacht

Advent, Advent

Wir haben den traurigen November (fast) hinter uns gelassen, und genießen jetzt die adventliche Stimmung mit Advents­kranz. Advent ist eigentlich bei uns eine gemütliche Zeit, wenn man es schafft, der Hektik zu entkommen. Es ist eine Zeit, in der man oft fröhlich beschwingt durch die Straßen zieht, in der es einem warm ums Herz wird und man vielleicht den Abend am Kamin richtig genießt. Im Advent sind wir oft besser gelaunt, und nicht umsonst erreichen uns in diesen Wochen viele Spendenaufrufe – denn viele sind auch irgendwie in Geber-Laune.

Was ist für uns Advent? Die 4 Wochen vor Weihnachten, der Ankunft Jesu auf Erden, wie er geboren wird und in der Krippe liegt – sie kennen die Geschichte. Wir freuen uns alle die nächsten vier Wochen auf die Ankunft Jesu auf Erden.

Aber, wenn ich es mir so recht überlege, dann ist die Adventszeit gar nicht immer so gemütlich und idyllisch. Das war ein bisschen blauäugig. Wie oft friere ich und kämpfe mit allen Mitteln gegen Erkältungen und Schlimmeres. Es ist so früh dunkel, dass man um 17h denkt, es könnte durchaus Schlafens­zeit sein. Noch nicht mal im Fernsehen kommt um diese Uhrzeit was Gescheites. Und wenn ich abends noch einen Termin vor mit habe, so gegen 20h, dann kommt mir das vor, als sei das mitten in der Nacht. Wie soll ich denn so lange durchhalten? Auf der einen Seite ist man erschöpft, weil es so früh dunkel wird, auf der anderen Seite muss man so viel feiern, wie das ganze Jahr nicht: Hier eine Weihnachtsfeier, dort ein Weih­nachtsessen, noch ein adventliches Beisammensein. Was für ein Stress.

Der Advent ist doch irgendwie doppeldeutig: Freude auf Weihnachten und Stress zugleich, Erschöpfung und Traurigkeit in der dunklen Zeit und eine gewisse Gemütlichkeit durch die vielen Lichter.

Diese Doppeldeutigkeit lässt mir auch bei der Predigtvor­bereitung keine Ruhe. Ich recherchiere nochmal gründlich:

1) Advent heißt übersetzt „Ankunft“ – wir bereiten uns vor, auf die Ankunft Jesu auf Erden, dem Messias, seine Geburt an Weihnachten. Das heißt, Advent ist ein Ankommen, ein zur Ruhe kommen, sich bereit machen.

2) Andererseits ist Advent doch aber gerade das Gegenteil: Mit dem 1. Advent beginnt das neue Kirchenjahr! Advent ist ein Aufbruch in ein neues Jahr. Zeit zum Loslaufen, nicht zum Ankommen.

Das ist doch irgendwie verquer – aber vielleicht trifft diese Doppeldeutigkeit auch gerade unser Adventsgefühl.

Loslaufen und Ankommen gleichzeitig – geht das?

Ja, ich finde das geht – und genau das ist Advent: diese Doppeldeutigkeit.

Ich finde den Advent zum einen gemütlich und ruhig, idyllisch im Licht der vielen Kerzen und zugleich, nass, kalt und dunkel.

Wie kann ich diese Adventsgefühle in Einklang bringen?

Vielleicht heißt Advent, in aller Rationalität mal blauäugig sein; in aller Sachlichkeit mal Freundlichkeit zeigen; in allem Stress ein Päuschen machen; in aller Traurigkeit ein Lächeln auf dem Gesicht haben, in aller Gerechtigkeit einfach mal nachgiebig sein; und der nassen Kälte eine gewisse Gemütlichkeit zugestehen;

in aller brutaler Realität der Nachrichten das Beten für eine bessere Zukunft nicht aufgeben!

Und daran glauben, dass an Weihnachten die Menschen auf der ganzen Welt den Frieden fühlen können.

So kann ich den Advent verstehen in seiner Doppeldeutigkeit: als Aufbruch zur friedvollen Ankunft Jesu auf Erden!

Amen