Zwei-Minuten-Andacht

Gnade sei mit Euch und Friede von Gott, unserem Vater, und dem Herrn Jesus Christus. Amen

Liebe Gemeinde,

heute feiern wir den Geburtstag der Kirche! Seit knappen 2000 Jahren existiert also unsere christliche Gemeinschaft unsere Kirche. Gott goss seinen Geist aus in Jerusalem – so haben wir es gehört; und danach fanden sich die Getauften zusammen und gründeten die ersten christlichen Gemein­den. Daraus wurde unsere Kirche. Aber die Kirche war damals noch irgendwie anders als heute, anders organisiert, strukturiert, nur manches ist gleich geblieben. Gleich ist, dass immer noch Gottesdienste gefeiert werden, es wird getauft und in Gemeinschaft Abendmahl gefeiert. Und auch das Einsammeln der Kollekte ist ein alter Bestandteil von Kirchengemeinden. Dazu halten wir Fürbitte – auch ein sehr alter Bestandteil des Gottesdienstes. Mit der Fürbitte und der Kollekte denken wir vor allem an andere Menschen, denen es nicht gut geht. Das finde ich ganz wichtig.

Rund 2000 Jahre lange existiert also schon die Kirche mit ihren Gottesdiensten! Ich finde das ganz beachtlich und das ist auch ein Grund zum Feiern und ich freue mich, dass wir das heute hier zusammen tun können!

Unsere Kirche ist gegründet auf unseren Glauben an Gott, der sich zeigt im Glauben an den Vater, den Sohn und den Heiligen Geist. So, wie wir es normalerweise im Glaubens­bekenntnis sprechen.

Dieses Glaubensbekenntnis hat drei Artikel: einen zum Vater, den Schöpfer, einem zum Sohn Jesus Christus und einen über den Heiligen Geist. Der Heilige Geist ist der, den wir heute besonders feiern, weil er quasi für unsere Kirchengründung verantwortlich ist, aber es ist zugleich auch der, der am wenigstens greifbar, am wenigstens vorstellbar ist.

Was ist das „der Heilige Geist“?

Hier kommen ein paar Gedanken dazu:

Der „Heiliger Geist“ heißt auf griechisch Paraklet, und das heißt übersetzt „Tröster“. Der heilige Geist ist jemand, etwas, das uns tröstet, ganz persönlich uns nahe ist.

Und vom heiliger Geist heißt es, dass er kommt mit einem Sturm und Feuerzungen. So haben wir es gehört:

„Plötzlich gab es ein mächtiges Rauschen, wie wenn ein Sturm vom Himmel herabweht. Das Rauschen erfüllte das ganze Haus, in dem sie waren. Dann sahen sie etwas wie Feuer, das sich zerteilte, und auf jeden ließ sich eine Flammenzunge nieder. Alle wurden vom Geist Gottes erfüllt und begannen in anderen Sprachen zu reden.“

Der Geist kam also durch ein gewaltiges Brausen und durch flammende Feuerzungen. Der Geist riss die verschlossenen Türen auf und brachte Fröhlichkeit, Begeisterung zu den Jüngern. Sie gingen raus aus ihrer Einsamkeit hin zu den Menschen. Und sie schafften es dadurch, auch selbst andere zu begeistern.

Dieser Heilige Geist ist also eine tröstende Kraft und eine Kraft, die begeistern soll, die die Einsamkeit und Traurig­keit wegpustet, die Fröhlichkeit bringt. Ich denke, der Heilige Geist ist zwar mal mit Brausen und Feuer ge­kommen ist, jetzt aber geben wir ihn uns eher still weiter. Heiliger Geist als Gefühl tief in mir drin! Da ist etwas ganz Wohltuendes, das begeistern kann, ein gutes Gefühl ist das – ein tröstendes. Ein „Du bist nicht allein!“

All diese Gedanken stecken in diesem Heiligen Geist –  da kommt das, was wir im Glaubensbekenntnis über den Heiligen Geist sprechen, doch eher viel zu kurz finde ich. Deshalb bekenne ich gerade heute an Pfingsten:

1. Ich glaube an den Heiligen Geist.

Ich glaube daran, dass sich das Wunder von Pfingsten nicht nur damals in Jerusalem, sondern allezeit, überall und immer ereignet hat und ereignen wird. Ich glaube es nicht wie ein Kind, das den Worten der Erwachsenen bedenken­los vertraut, sondern als erwachsener Mensch, der erlebt und erfahren hat, dass Gottes guter Geist lebendig und gegenwärtig ist und uns in Bewegung hält. Er ist der Tröster!

2. Ich glaube an die heilige christliche Kirche.

Trotz aller Kritik und Enttäuschung über die Schuld und das Versagen von Beginn der Kirchengeschichte an bis heute, erkenne ich die Verdienste dieser Kirche an, die sich in Verkündigung und Seelsorge, in Musik und Diakonie, in Kunst und Kultur und in Gebäuden manifestieren. Ich glaube an die Zukunft der christlichen Kirche, weil sie lebendig ist und weil sie der Platz ist, an dem unsere Gottesträume Gestalt annehmen.

3. Ich glaube an die Gemeinschaft der Heiligen.

Trotz aller gegenteiligen Behauptungen, Klagen und Anklagen glaube ich, dass es sie gibt, die guten, die freundlichen und hilfsbereiten Menschen. Ich glaube, dass Konkurrenz und Neid nicht die Übermacht gewinnen sondern dass in Wirklichkeit die Sanftmütigen, die Demütigen und Bescheidenen das Erdreich besitzen. Schließlich sind wir alle damit gemeint: Wir sind die Gemeinschaft der Heiligen.

4. Ich glaube an die Vergebung der Sünden.

Mir bleibt keine andere Wahl, als an die Vergebung zu glauben. Wie könnten wir sonst überleben angesichts der Greuel und Gewalttaten, der Verletzungen, die wir unseren Mitmenschen, der Natur und der Kreatur zufügen? Ich glaube, dass es möglich ist, neu anzufangen, weil Gottes Güte größer ist als unsere Gerechtigkeit.

5. Ich glaube an die Auferstehung der Toten.

Ja, ich glaube, etwas bleibt über den Tod hinaus, das mehr ist als eine bloße Erinnerung. Nach dem Tod kommt ein guter Ort, an dem gut aufgehoben ist, ganz in Gottes Nähe.

6. Ich glaube an das ewige Leben.

Wie auch immer da ewige Leben sein wird, wann immer es beginnt: Ich glaube dass das Leben nicht endgültig verlorengeht, weil Gottes Geist, von Ewigkeit her lebendig, in seinem Geschöpfen lebendig bleibt. Es gibt eine Daseinsform, die nicht von der Zeit bestimmt ist, sondern sondern vom Bleiben.

All das glaube ich, wenn ich an Gottes Geist denke. Trauen wir diesem Geist doch etwas zu. Er kann uns bewegen, uns begeistern, Fröhlichkeit in die Traurigkeit und Einsamkeit bringen. Er kann trösten!

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.