Zwei-Minuten-Andacht

Gnade sei mit Euch und Friede von Gott, unserem Vater, und dem Herrn Jesus Christus. Amen

Liebe Gemeinde,

am 12. Juli ist der 5. Sonntag nach Trinitatis und wir denken darüber nach, warum wir eigentlich als Christen Jesus nachfolgen. Dabei stellen wir fest, dass es dafür keine vernünftigen Gründe gibt. Der Glaube ist es, der uns an Jesus hält, auch dann, wenn andere, die Beweise sehen wollen, uns auslachen oder verspotten. Wir treten also die Nachfolge Jesu an; wie dies auch seine Jünger getan haben. Zum Thema Nachfolge hören wir heute eine Bibelstelle aus dem Lukas-Evangelium Kapitel 5:

Eines Tages stand Jesus am Ufer des Sees von Gennesaret. Die Menschen drängten sich um ihn und wollten Gottes Botschaft hören. Da sah er zwei Boote am Ufer liegen. Die Fischer waren ausgestiegen und reinigten ihre Netze. Er stieg in das eine, das Simon gehörte, und bat ihn, ein Stück vom Ufer abzustoßen. Dann setzte er sich und sprach vom Boot aus zu der Menschenmenge. Als er seine Rede beendet hatte, sagte er zu Simon: »Fahr hinaus auf den See und wirf mit deinen Leuten die Netze zum Fang aus!« Simon erwiderte: »Herr, wir haben uns die ganze Nacht abgemüht und nichts gefangen. Aber weil du es sagst, will ich die Netze noch einmal auswerfen.« Sie taten es und fingen so viele Fische, dass die Netze zu reißen drohten. Sie mussten die Fischer im anderen Boot zur Hilfe herbeiwinken. Schließlich waren beide Boote so überladen, dass sie fast untergingen. Als Simon Petrus das sah, warf er sich vor Jesus nieder und bat: »Herr, geh fort von mir! Ich bin ein sündiger Mensch!« Denn ihn und alle anderen, die bei ihm im Boot waren, hatte die Furcht gepackt, weil sie einen so gewaltigen Fang gemacht hatten. So ging es auch denen aus dem anderen Boot, Jakobus und Johannes, den Söhnen von Zebedäus, die mit Simon zusammenarbeiteten. Jesus aber sagte zu Simon: »Hab keine Angst! Von jetzt an wirst du Menschen fischen!« Da zogen sie die Boote an Land, ließen alles zurück und folgten Jesus. Amen

Simon Petrus soll also Menschen fischen. Und wir, die wir in der Nachfolge Jesu stehen und in der Kirche arbeiten und für die Kirche Werbung machen – wir sind also auch „Menschenfischer“. Das klingt ungewöhnlich. Das klingt auch befremdlich. Wer lässt sich schon gerne fangen?

Aber Jesus meint es nicht befremdlich. Das Schönste ist: er traut es Simon zu, obwohl dieser sagt, dass er das nicht kann, dass er es nicht wert sei, in Jesu Nähe zu sein. Wie antwortet Jesus auf den Einwand? Er sagt schlicht: „Hab keine Angst!“ Es ist so schön, diesen Satz zu hören. Er tröstet. Bei allem Selbstzweifel, bei aller Mutlosigkeit. Jesus sagt, dass Menschen wie Simon Petrus, auch durchaus Menschen wie wir, keine Angst haben brauchen, wenn wir seine Nachfolge antreten wollen. Wir sind wahrlich nicht so perfekt wie Jesus – aber Jesus weiß das eben. Und es ist ihm egal. Aber für das Gute eintreten – das können wir, das traut uns Jesus zu. Menschen für Gott und auch die Kirche zu begeistern – das wäre eine Aufgabe für uns: Menschen zu fischen, ihnen in der Kirche ein Zuhause zu bieten, in dem sie sich geborgen fühlen. Es ist schön, dass Jesus uns das zutraut. Wir brauchen nur das Vertrauen, das auch Simon Petrus hatte: Der Fischer Simon Petrus lässt seine Erfahrungen, auch seinen Misserfolg hinter sich. Obwohl ihm all seine Erfahrung sagt, dass es sinnlos wäre, die Netze noch einmal auszuwerfen. Er hört trotzdem mit offenen Ohren auf die Stimme Jesu. Mit Zuversicht anstatt mit Besserwisserei, Resignation oder Verbohrtheit reagiert er auf dessen Anweisung: „Auf dein Wort hin werde ich die Netze ins Wasser hinunterlassen!“ Das heißt soviel wie: Ich versuch’s noch einmal. Ich gebe mir und meiner Umwelt eine neue Chance. Ich glaube, es kann gelingen. Und es gelingt. Und wie. Vertrauen kann Unmögliches schaffen.

„Hab keine Angst!“ – diesen Satz ruft Gott uns zu – aus der Tiefe, neben uns, über uns. „Hab keine Angst!“ – dieses Lebensgefühl wollen wir versuchen weiter zu vermitteln. Wir wollen keine Angst haben, Gott. Und auf dein Wort hin werden wir die Netze ins Wasser hinunterlassen. Wir geben unser Bestes und wollen für andere Menschen, die wir fischen, eine Geborgenheit schaffen, dass auch sie getröstet werden. Das wünschen wir uns.

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen